8. Etappe: Wattens – Lizumer Hütte

Weitwanderbrücke im Wattental

Schon in Krün hatte ich begonnen, die Hütten für die dritte Woche zu buchen. Leider gibt es für die Hütten in Italien kein zentrales Buchungssystem und so muss ich jede Hütte einzeln anschreiben. Die klassischen Hütten des Wanderführers sind meist schon belegt, sodass ich auf vorherige oder nachfolgende Hütten entlang unserer Route ausweichen muss. Viele Hütten verlangen zudem eine Anzahlung per Überweisung. All das händel ich teils während wir wandern in kurzen Pausen. Es fühlt sich ein wenig kribbelig an, weil man nie genau weiß, ob man noch Schlafplätze bekommt.

Ansonsten beginnt der Morgen mit Frühstück im Thai-Restaurant im Erdgeschoss des Hotels. Vermutlich wurde das Restaurant verpachtet. Doch das Frühstücksbuffet wird noch immer hier hergerichtet. Danach heben wir noch etwas Geld ab und decken uns mit Proviant ein, denn auf den nächsten drei Etappen werden wir keine Möglichkeit zum Einkaufen haben.

Aufstieg mit Hindernissen

Heute sind wir spät dran, sodass die Sonne schon für ordentlich Temperaturen sorgt, als wir gegen 10.00 Uhr Richtung Süden nach Wattenberg aufbrechen. Eine lange Zeit laufen wir über Asphalt. Dann biegen wir auf Forststraßen ab, passieren aber auch immer wieder Weiden und kleinere Wanderwege.

Alpenschick in Wattenberg

Nach etwa zwei Stunden ist der Wanderweg plötzlich weg. Wo wir eigentlich entlanglaufen sollten, türmt sich ein Erdwall, auf dem ein kleiner Bagger thront. Hier wird offenbar gebaut. Ein kurzer Blick auf‘s GPS und wir entscheiden, drüber zu klettern – zu umständlich wäre der Umweg.

Kurze Zeit später stehen wir vor vernagelten Weidezäunen, die sich mehrere hundert Meter am Berg entlangziehen und ein Durchkommen unmöglich machen. Jetzt hilft es nichts. Wir müssen ein Stück zurücklaufen und der Straße folgen.

Heute kein Scharfschießen

Wanderer treffen wir heute wieder kaum. Gegen 13.30 Uhr sind wir wieder im Wald angekommen und machen Rast. Wie so oft gibt es auch heute belegte Brötchen. Noch eine Weile laufen wir weiter, bis wir schließlich die ersten Schilder erreichen, die auf das Militärsperrgebiet hinweisen. Hier ist quasi nur Wandern erlaubt. Noch etwa zehn Minuten dauert es, dann sind wir an der Zufahrt zum Gelände. Neben den Schranken im Wärterhäuschen sitzt ein junger Soldat. Ein wenig eingeschüchtert frage ich, ob wir passieren dürfen. „Ja, ja, freilich.“ Wir gehen weiter. Ein Lkw mit lachenden Soldaten auf der Ladefläche kommt Richtung Kaserne vorbeigefahren. Irgendwie ist die Kulisse strange.

Militärsperrgebiet

Wir laufen an einer Tafel vorbei, die uns die Auskunft gibt, dass heute nicht scharf geschossen wird, das Wandern erlaubt ist. Wer ganz sicher gehen will, kann vor der Etappe die Schießzeiten auch online checken oder direkt beim Hüttenteam der Lizumer Hütte anrufen. Der Weg schlängelt sich durch dichtes Gebüsch.

Nach einer weiteren Stunde erleben wir den ersten Ausblick des Tages. Der Blick zurück auf‘s Karwendel ist klar. Dort hinten in den Bergen sind wir gewesen. Der Alpenhauptkamm liegt vor uns. Weiter geht es in der Sonne nach oben. An der Baumgrenze angekommen wird die Sicht auf einen noch größeren Militärkomplex frei. Sogar eine kleine Kapelle für die Soldaten gibt es hier oben.

Auf der Lizumer Hütte

Halb fünf kommen wir an der Lizumer Hütte an. Wieder sehen wir bekannte Gesichter. Armin und Johanna, die wir schon aus Vorderriß und vom Hallerangerhaus kennen, sitzen auf der Terrasse der Hütte. Mittlerweile haben wir uns an den Hüttenrhythmus gewöhnt, setzen erst unsere Rucksäcke ab, gehen dann rein, um Bescheid zu geben, dass wir eingetroffen sind. Draußen gibt es im Sonnenschein erst einmal zwei große Radler und einen Kaiserschmarren (wahrscheinlich den besten, den ich je gegessen habe) mit Pflaumen und Preiselbeeren.

Kaiserschmarren Lizumer Hütte
Lecker Kaiserschmarren 😋

Zum Check-In kommt eine freundliche Bedienung raus. Eine erfreuliche Nachricht: Wir werden uns das Zimmer mit Armin und Johanna teilen. Schnell kommen wir ins Gespräch über die vergangenen Tage. Die beiden sind die Route über die Glungezer Hütte gelaufen.

Gletscherwasser & Hüttenabend

Erstmals auf unserer Tour entscheide ich mich heute, auf eine warme Dusche zu verzichten (immerhin drei Euro für drei Minuten warmes Wasser gespart und damit zwei Zirben mehr 😜). Stattdessen denke ich noch optimistisch: Kalt wie zu Hause geht auch. Zumal wir heute ohnehin durch die Sonne aufgeheizt sind. In meinem jugendlichen Leichtsinn drehe ich also kurze Zeit später die Dusche in Erwartung einer erfrischenden Abkühlung auf. Was aber dann auf mich niederprasselt, ist Gletscherwasser, das gerade so den Gefrierpunkt überschritten hat. Noch nie habe ich so schnell geduscht. Beim Haare waschen fühlt es sich kurz so an, als würde mein Kopf zufrieren. ‚Never ever again,‘ denke ich noch, bevor ich aus der Dusche flüchte.

Die Lizumer Hütte

Beim Abendessen wird es wieder gesellig. Wir tauschen uns mit den anderen Wanderern aus. Eine Familie mit zwei Töchtern im Teenageralter sitzt neben uns. Sie gehen jedes Jahr ein paar Etappen des Traumpfades.

Schließlich kommt Tobi, einer der Chefs, an jedem Tisch vorbei, erkundigt sich nach der bevorstehenden Route und ob wir uns gewappnet fühlen. Da wir am nächsten Morgen das Geierjoch und den Gschützspitzsattel passieren müssen, schlägt er vor, schon eine halbe Stunde früher, also 6.30 Uhr, zu frühstücken. Am Nachmittag soll es regnen und so haben wir die Chance, trocken über die Bergketten zu kommen.

Egal ob Traumpfad oder eine andere Bergtour – die Lizumer Hütte ist eine echte Empfehlung

Froh über so viel Fürsorge und Entgegenkommen können wir entspannt den Abend genießen mit einigen Runden UNO und Memory. Gegen 21.00 Uhr fallen wir satt, zufrieden und vor allem müde ins Bett.

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