9. Etappe: Lizumer Hütte – Tuxerjochhaus

Abstieg vom Gschützspitzsattel

Schon 6.30 Uhr stehen wir am Frühstücksbuffet. Es gibt Wurst, Käse, Marmelade, Brot und sogar Müsli mit Joghurt. 7.00 Uhr brechen wir auf. Vor der Hütte weist uns die bekannte Tafel darauf hin, dass auch heute keine Schießübungen stattfinden. Morgen aber sind bestimmte Bereiche des Militärsperrgebietes für’s Wandern gesperrt. Gestern Abend erzählte uns der Wirt, dass Wanderer schon mehrere Tage angestanden hätten, weil Sie das Gebiet Richtung Hütte nicht passieren durften.

Über 700 Höhenmeter geht es jetzt aber für uns nach oben Richtung Pluderlingsattel. Die Sonne steht hinter dem Berg. Immer wieder drückt ein leichter Wind Wolken gegen den Berg. Bald schon sind wir darin verschwunden. Auf dem Sattel angekommen bläst der Wind nun kräftiger. Wir ziehen unsere warmen Sachen an. Zwischen den Wolken können wir hinter uns das Karwendel sehen. Vor uns liegt das Tuxergebirge. Zu unseren Füßen zwischen den Gipfelchen eingebettet sehen wir den Junssee.

In den Zentralalpen angekommen

Am Hang geht es nun bergab Richtung See, um gleich wieder Höhenmeter nach oben gutzumachen. Am Gschützspitzsattel liegt noch Schnee. Wir queren diesen und kommen oben an. Der Wind pfeift. An dem Steilhang schlängelt sich der Weg erst gerade und später in Serpentinen bergab. Der Ausblick ist beeindruckend. Doch allzu viel Zeit haben wir nicht, den Moment zu genießen. Das Wetter sitzt uns im Nacken und so geht es bergab.

Der Weg zieht sich. Nach 1,5 Stunden kommen wir unten an. Tageswanderer kommen uns entgegen. Gleich hinter dem nächsten Berg beginnt das Zillertaler Skigebiet. Endlich kommt die Sonne heraus, sodass es wärmer wird. Auf den Weiden, über die wir jetzt laufen, grasen Kühe. Noch einmal müssen wir einen kleinen Berg hinauf bis wir das Tuxerjochhaus erreichen.

Dem Regen wieder davongelaufen

Der Wind hat wieder aufgefrischt, die Sonne ist verschwunden. 13.30 Uhr ist das Mittagsgeschäft noch in vollem Gange. Wir sollen uns erst setzen, später können wir einchecken. Also gönnen wir uns zwei Kaiserschmarren. Auf der überdachten Terrasse haben wir den perfekten Blick auf den Tuxer Gletscher. Wenig später treffen auch Armin und Johanna auf der Hütte ein. Kurz werten wir die heutige Tour aus, dann können wir endlich einchecken. Das erste Mal werden wir heute im Lager schlafen, da alle Zimmer bereits belegt sind. Die Hütte ist nicht mehr im besten Zustand, kein Vergleich zur Lizumer Hütte oder dem Hallerangerhaus. Die einzige Toilette befindet sich im Keller. Das Lager ist allerdings unter dem Dach. Weil es nur eine Dusche gibt, müssen wir Schlangestehen.

Wieder mal Kaiserschmarren

Die Matratzen im Lager sind durchnummeriert. Nebeneinander werden wir mit fünf weiteren Personen einsortiert, obwohl einige Betten frei bleiben. Wahrscheinlich kommt noch eine ganze Gruppe, denken wir uns und gehen nach unten für ein paar Runden Rommé und UNO. Draußen hat es angefangen zu schütten. Regen und Sonne wechseln sich ab. Auch am nächsten Tag soll es regnen. Da mit der Friesenbergscharte eine komplizierte Etappe vor uns liegt, fragen wir beim Servicepersonal nach, ob wir schon 6.30 Uhr statt 7.00 Uhr frühstücken können. Die knappe Antwort lautet: Nein. Und wir würden es auch so schaffen.

Der Ton ist hier im Allgemeinen weniger herzlich als wir es von den vorherigen Hütten gewohnt sind. Auch das Abendessen lässt zu wünschen übrig. Mit Armin und Johanna verabreden wir, dass wir die Etappe morgen wieder zusammen gehen.

Gastfreundschaft geht anders

Bei Zeiten gehen wir nach oben ins Lager. Es sind keine weiteren Wanderer gekommen. Das zweite Lager steht vollkommen leer. Aus Gründen des Abstandes (wie wir wissen, ist die Pandemie auch auf Berghütten noch nicht vorbei) und um nicht unnötig aufeinander zu hocken, ziehen wir mit Schlafsäcken und Kissen in das andere Lager um. Die Rechnung hatten wir dabei ohne die etwas ruppige Servicechefin gemacht, die gegen 22.00 Uhr sämtliche Zimmer kontrolliert, penibel darauf bedacht, dass auch jeder in dem ihm zugewiesenen Bett liegt. Sie giftet uns an, als wären wir kleine Kinder. Wir würden alles schmutzig machen, so ihre Aussage. Wir bieten noch an, das Lager wieder zu wechseln. Doch dafür sei es jetzt ohnehin zu spät.

Mit ordentlich Wut im Bauch über die wenig gastfreundliche Hütte schlafen wir schließlich ein, wenn auch unruhig.

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