5. Etappe: Vorderriß – Krün (Ausweichroute um das Karwendel)

Blaue Isar

Da wir heute eine recht entspannte Etappe vor uns haben, beginnt der Tag erst 7.45 Uhr. Wir packen unsere Sachen und freuen uns auf ein recht üppiges Frühstück mit Müsli, Joghurt, Saft und Brötchen. Auf der Sonnenterrasse des Gasthofes sitzen schon die anderen Wanderer. Das Pärchen mit Hund ist auch wieder dabei. Von Jachenau aus haben sie gestern das Taxi nach Vorderriß genommen. Zu weit wäre der Weg für sie gewesen. Sie wollen zunächst nur ein Stück des Traumpfades gehen.

Entspannt in den Tag

Es wird 8.45 Uhr und schließlich 9.00 Uhr. Noch immer sitzen wir und reden mit den anderen über ihre Erlebnisse auf den bisherigen Etappen und ihre jeweiligen Ziele. Die Wirtin kommt heraus. „Das ist auch ganz ungewohnt, dass ihr alle noch da sitzt. Sonst rennen um diese Zeit schon alle los auf’s Karwendelhaus. Da kann es nicht früh genug Frühstück geben.“ Gegen 9.15 Uhr holen wir schließlich unsere Rucksäcke, schnüren unsere Schuhe, bezahlen und laufen los.

Lecker Frühstück im Gasthof Post Vorderriß

Vorher stellen wir Sebastians Rucksack noch einmal richtig ein. Nach einer halben Stunde heißt es wieder umkehren. Das Flussbett der Isar führt einfach zu viel Wasser, um es auf üblichem Weg zu queren. Stattdessen laufen wir die Mautstraße vorbei am Rißsattel. Wieder haben wir Glück mit dem Wetter. Die Sonne scheint bei etwa 26°C. Die heutige Etappe führt uns fast immer gerade auf Forststraßen an der Isar entlang. Hier und da sehen wir, dass das Wasser vor kurzem noch hoch auf den Wegen stand.

Warum es auf den Hütten keine Schlüssel gibt

Wanderer treffen wir hier kaum. Nur ein paar einzelne E-Mountainbiker kommen uns entgegen. Plötzlich dreht sich Sebastian um. „Och ne!“ Er hält unseren Zimmerschlüssel aus dem Gasthof in der Hand. Zu diesem Zeitpunkt sind wir schon über eine Stunde unterwegs. Umkehren will ich nun nicht mehr. Wir telefonieren mit der Wirtin. Die hat den fehlenden Schlüssel zwar noch nicht bemerkt, begeistert ist sie trotzdem nicht. Wir vereinbaren, den Schlüssel in Wallgau sofort in die Post zu geben. Sie ist einverstanden. Spätestens jetzt verstehen wir, warum auf den Hütten keine Schlüssel ausgegeben werden. Nur wenige Hütten auf über 2.000m Höhe haben einen Briefkasten oder werden von der Post angefahren.

Gegen 14.30 Uhr erreichen wir Wallgau. Erster Stopp: die Post. Als das erledigt ist, suchen wir einen Supermarkt, kaufen ein bisschen Proviant für die kommenden Tage und Weißbiereis. Auf einem Fahrradständer vor dem Markt lassen wir uns die geschmierten Brötchen vom Morgen schmecken. Das Eis zum Nachtisch schmeckt tatsächlich nach Weißbier. Suuuper lecker!

Ein bisschen zurück in der Zivilisation

Bis zum Hotel „Bayerischer Hof“ ist es noch etwa eine halbe Stunde zu gehen. Wir laufen los und sind gegen 15.30 Uhr da. Das erste Mal seit Bad Tölz haben wir wieder eine Unterkunft mit Fernseher. Wir schalten die Glotze an. Es läuft gerade die Eröffnung der Olympischen Spiele. Erst jetzt merke ich, wie wenig wir von der Welt, den Nachrichten und Hiobsbotschaften da draußen in den vergangenen Tagen mitbekommen haben. Selten hatten wir Netz, geschweige denn Internet. Vermisst habe ich all das nicht wirklich.

Ich sammle unsere T-Shirts, Hosen und Socken zusammen. Nach drei Tagen müssen wir erst einmal waschen, sonst kriegen die Hosen Beine und laufen ab morgen ohne uns davon.

Wäsche, Wäsche, Wäsche

Gegen 16.30 Uhr laufen wir noch einmal los an die Isar. Auf dem Weg checken wir den Busfahrplan, denn morgen werden wir nicht drumherumkommen, ein Stück zu fahren. In der Touristinfo erfahre ich, dass wir mit der Kurkarte den Wanderbus bis Mittenwald kostenlos nutzen können. Von dort aus können wir die Bahn bis Scharnitz nehmen. Ein wenig nagt es zumindest an mir, dass wir die erste Landesgrenze wohl nicht zu Fuß passieren werden, aber so ist es eben.

Ausbaumeln an der Isar

An der Isar finden wir tatsächlich ein ruhiges Plätzchen, was zum Verweilen und Baden einlädt. Das Wasser ist eiskalt. Es tut gut, die überhitzten Füße in den nunmehr nur noch kleinen Bach zu hängen. Mit dem Kopf tauche ich sogar kurz unter Wasser.

Eigentlich wollten wir zum Abendessen wieder nach Wallgau laufen. Doch als wir wieder im Hotel ankommen, hält sich die Lust in Grenzen und wir entschließen uns, hier zu essen. Bei bayerischem Wurstsalat und einmariniertem Hering lassen wir den halben Pausentag ausklingen.

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