Zusammen durch den Gran Paradiso

Vier Wanderer

Heute ist es soweit. Heute bekomme ich das letzte Mal Besuch aus der Heimat, bevor ich Nizza erreiche. Doch zuvor steht noch eine Etappe allein an bis San Lorenzo. Fast allein, denn auch Christine und Stephan werden nach San Lorenzo gehen. Weil sie noch einige Besorgungen im örtlichen Alimentari von Talosio zu erledigen haben, wandere ich schon einmal los.

Durch einige kleine Wäldchen geht es steil hinauf zur ersten Holchalmfläche und vorüber an der Alpe Anzula. In die Felsblöcke entlang des Weges sind Zeichen geritzt. Kreuze, einfache Figuren, konzentrische Kreise. Sie sind typisch für die Region im Orco-Tal. Wer sie wann dort angebracht hat, ist nicht genau geklärt. Einige könnten prähistorischen Ursprungs sein, andere christliche Schutzzeichen oder simple Hirtenmarkierungen, um Übergänge kenntlich zu machen. Ob aus Angst, Glaube oder Pragmatismus – vor Jahrhunderten haben Menschen hier ihre Existenz in den Fels geritzt. Ihren frühen Wegweisern folge nun auch ich. Mir folgen an diesem Morgen unzählige Bremsen. Kaum bleibe ich für einen Moment stehen, lassen sich zehn von ihnen auf mir nieder. So sprinte ich förmlich den Berg hinauf, verkneife mir jede Rast.

Großes Paradies

Am Gratrücken wird der Blick auf den Gran Paradiso frei. Etwas Schnee bedeckt seine Flanken. Das „große Paradies“ – der Name dieses 4.000er Gipfels wirkt verheißungsvoll. Ihn umgibt der gleichnamige und älteste Nationalpark Italiens. Sein Kennzeichen: ein Steinbock. Im 19. Jahrhundert erhob König Vittorio Emmanuele II. aus Sorge um sein liebstes Hobby ein strenges Jagdverbot auf dem Gebiet des heutigen Nationalparks. Nicht aus Naturschutzgedanken, nicht aus Sentimentalität – sondern um sich das exklusive Recht auf die Jagd der Steinböcke zu sichern.

Endlich ist der Gran Paradiso in Sicht
Endlich ist der Gran Paradiso in Sicht

Der Egoismus des Regenten sicherte wiederum dem Tier das Überleben, während es nahezu im gesamten restlichen Alpenraum ausgerottet wurde. Doch nicht ganz freiwillig. So erhielt die Schweiz eine Absage auf ihre Bitte nach Kitzen, um den Steinbock wieder anzusiedeln. Im Schutze der Dunkelheit schmuggelten die Eidgenossen einige Jungtiere über die Grenze, begannen sie zu züchten und wieder auszuwildern. Heute gehen alle Alpensteinböcke im gesamten Alpenraum auf die einstige Restpopulation von 100 Tieren im Gran Paradiso zurück. Ein kleines Wunder aus dem großen Paradies.

Während ich bei einer Pause den Blick über den gezuckerten Gran Paradiso streifen lasse, holen Christine und Stephan mich ein, gesellen sich zu mir. Gemeinsam setzen wir unseren Weg hinab an den Stausee Lago d’Eugio fort. Die Augustsonne brennt und so fiebern wir dem kühlen Nass entgegen. Doch die Ernüchterung folgt sofort. Es führt kein Weg hinein in den See. Betonwände, unwegsame Uferstreifen, steile Einstiege verhindern das Hineinkommen. So laufe ich weiter, während die beiden anderen am Bachlauf etwas unterhalb ihr Glück versuchen.

Es ist eine ganz seltsame Angewohnheit, dass hier im Piemont das überwuchernde Gras in den Pfaden zwar gehauen, nicht aber entfernt wird. So werden Auf- und Abstiege auch an diesem Tag zu einer äußerst rutschigen Angelegenheit. Die Hitze macht mich dösig und langsam geht auch mein Wasser zur Neige. Als ich am späten Nachmittag endlich die Baumgrenze erreiche, dringt das Rauschen eines Baches herüber. Eilig laufe ich an die Quelle und tauche meine Hände in das kühle Nass. Augenblicklich fällt die Hitze von mir ab. Im Schatten der Bäume schlendere ich hinunter bis San Lorenzo.

Tedesca

In der Trattoria, dem heutigen Posto Tappa, herrscht reger Betrieb. Ein großes Partyzelt ist unterhalb auf einer Wiese aufgebaut. Abends steigt dort das Dorffest. Am Telefon hat man mich bereits vorgewarnt, dass die Nacht nicht ganz so ruhig werden würde. Noch fehlt von meinem Besuch jede Spur und so setze ich mich mit einem Radler auf die Terrasse zu den Einheimischen. Die örtliche Alpini-Gruppe hat sich eingefunden, klar erkennbar an ihren traditionellen Hüten. Aber auch einige Jugendliche und Handwerker sitzen nach getaner Arbeit an einem Tisch beisammen. In der Mitte steht eine große Platte mit allerhand Käse, Schinken, Speck und Salami.

Sofort werde ich in die Gespräche integriert. Mit einigen Brocken Italienisch mache ich mich verständlich. Ein fast zahnloser älterer Herr reicht mir mit einem breiten Lächeln immer wieder Streifen von Käse, Schinken und Brot herüber. Als ich schließlich das Zimmer beziehen will, werde ich von ihm auf ein weiteres kleines Bier eingeladen. Ein junger Kerl etwa in meinem Alter wendet sich mir zu. „Tedesca, you have to come to the village fest tonight!“ – „Some friends are coming to visit me later,“ antworte ich. „Bring your friends along,“ gibt er zurück.

Freunde

In diesem Moment fährt ein knalloranger BMW vor. Herausgesprungen kommen Mario, Martin und Sebastian. „Mensch da haben wir es doch noch gefunden!“ ruft Mario. Wir nehmen uns alle in die Arme. Dann laden die drei neben ihren Rucksäcken auch noch zwei Hartschalenkoffer aus. Ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen. Zu viert beziehen wir unser kleines Zimmer. Es fühlt sich seltsam an, so weit weg von zu Hause plötzlich von vertrauten Gesichtern umgeben zu sein. Gleichzeitig bin ich unendlich dankbar, dass die drei extra wegen mir, diesen weiten Weg auf sich genommen haben, um mich für zwei Etappen zu begleiten.

Das Abendessen ist köstlich. Polenta, Gemüse, verschiedene Sorten Fleisch und zwei Liter Wein stehen auf dem Tisch. Die Signora bringt immer neue Platten mit bestem piemontesischen Käse, Schinken und Salami. Auch Stephan und Christine sind mittlerweile angekommen und nehmen Platz.

Derweil hat die Party neben der Trattoria bereits begonnen. Dumpf wummert der Bass aus dem Partyzelt, als wir uns gemeinsam hinunterbegeben. Der DJ lässt seine Haare wild im Takt der Musik fliegen, während er über sein Pult scratcht. Sonst herrscht eher Totentanz. Alle sitzen wie festgetackert auf ihren Bierbänken, klammern sich an ihre Getränke. „Für italienische Verhältnisse ist die Stimmung hier aber recht leidenschaftslos,“ scherzt Mario. So bestellen wir uns jeder ein Getränk und eröffnen die Tanzfläche. Bunt flackern die Lichter. Laut tönt die Musik aus den Boxen. Der Beat verführt förmlich dazu, sich in ihm aufzulösen.

🎼 And I’ll fly with you
I’ll fly with you

Bald schon sind wir in der Mitte der Manege nicht mehr nur zu viert. Wild wirbeln Arme und Beine durcheinander. Im Vollmond tanzen wir durch die Nacht und fallen schließlich erschöpft aber glücklich in unsere Betten.

Wer feiern kann, der kann auch wandern

Tief sitzen die Augenringe am nächsten Morgen. „Was kruschelst du hier schon rum?“ beschwert sich Martin, als ich um 7 Uhr meinen Rucksack zu packen beginne. „Siete mezza, Martin,“ antworte ich. „Das ist die Zeit hier in Italien – egal ob Frühstück oder Abendessen.“ Genervt lässt er sich rücklings wieder in die Kissen fallen. So schaffen wir es erst 8 Uhr zum Frühstück. „Der DJ wollte gar nicht aufhören,“ beschwert sich Christine. Ich lächle müde. Mitfeiern war die einzige Option, um das Partyzelt neben dem Bett zu ertragen.

Das erste Mal auf dieser Reise ziehe ich heute Morgen zum Wandern nicht mein geliebtes rosafarbenes T-Shirt über. Weit mehr als 2.000 Kilometer Fernwanderschaft haben Spuren hinterlassen. Am Rücken kann man durch den Stoff blicken wie durch ein Fenster. Aus der Heimat habe ich mir deshalb Ersatz mitbringen lassen. Aus Lachs wird Senf.

Von Lachs zu Senf

Mit neuem Look setzen wir uns in Bewegung – zunächst nur zu dritt. Mario wird das Auto umparken und später die Flachetappe mit uns gemeinsam gehen. „Ciao, Tedesca!“ verabschiedet mich der junge Kerl vom Vorabend im Vorbeigehen, als wir San Lorenzo verlassen.

Wieder ist kein Wölkchen am Himmel und so freuen wir uns, als wir nach kurzem Asphalthatscher endlich in den Wald abbiegen. Federnd hüpft Martin von Stein zu Stein über den Pfad. An einem kleinen Bachlauf stoppt er abrupt, setzt seinen Rucksack ab, kramt eine Glastasse heraus und hält sie unter den Wasserstrahl. „Das ist doch nicht dein Ernst?!“ rufe ich laut lachend. „Doch,“ gibt er schelmisch zurück. „Mit Glastasse auf den Berg. Galoppierende Dekadenz!“

Spannungen und Abkühlung

Wir lachen. Doch gleichzeitig liegt Spannung in der Luft. Anders als noch vor sechs Wochen haben Sebastian und ich keinen guten Start. Während ich mittlerweile ziemlich weit draußen bin, die Zeit allein genieße, eine neue Sprache lerne, wachse, mich löse, geht daheim der alte Alltag einfach weiter. Seit Wochen prallen in unseren Telefonaten Erwartungen und Wirklichkeiten aufeinander, die jetzt, wo wir uns gegenüberstehen, explosionsartig kollidieren. Alte und neue Wunden reißen auf, Ängste stehen im Raum. Notdürftig kleben wir vorerst ein Pflaster des Schweigens darüber, um irgendwie auf dem Weg voranzukommen.

Als wir in der flirrenden Hitze den Talboden erreichen, winkt uns Mario bereits zu. Am Torrente Orco legen wir eine Rast ein und hüpfen in die kühle Strömung. Trotz nahegelegener Hauptstraße und Wohnhäusern in Sichtweite entscheidet sich Mario wie gewohnt für ein textilfreies Bad im Fluss. Doch wenig später sind wir an seinen Ufern nicht mehr allein. Mehrere Kinder tollen herum, hüpfen über die Felsblöcke, quasseln aufgeregt durcheinander. Und Mario sitzt fest im eiskalten Wasser. „Prima, wie komm ich jetzt hier raus?“ fragt er. Lauthals brechen wir in Gelächter aus. „Das ist ja wieder typisch,“ ruft Martin und wirft ihm eine Badehose zu.

Durch einige verlassene Dörfer setzen wir schließlich unseren Weg fort, pflücken im Vorbeigehen reife Himbeeren und Brombeeren von den Sträuchern im Wald. Am späten Nachmittag erreichen wir Noasca. Das Dorf duckt sich an die steile Flanke des Tals. Über ihm stürzt der Wasserfall der Noaschetta wie ein weißer Riss durch dunklen Fels. Motorräder knattern durch die engen Gassen. Es riecht nach feuchtem Stein und Espresso.

Keine Zeit für deutsche Zeiger

Gemeinsam betreten wir das örtliche Hotel, um den Schlüssel für das Posto Tappa zu erhalten. Vor Tagen hatte ich uns hier angemeldet. Nun blättern sich die Chefin des Hauses und ein Mitarbeiter gemeinsam durch das dicke Reservierungsbuch auf der Suche nach meinem Namen. Im Rücken spüre ich die Unruhe meiner drei Reisebegleiter, als sich nach fünf Minuten noch immer nichts bewegt. Doch ich lächle entspannt, bin ich das hiesige Tempo doch mittlerweile gewohnt.

Nach weiteren fünf Minuten sind zwei freie Zimmer gefunden. Die Signora schiebt uns zur Tür heraus. „Follow the guy on the bridge,“ gestikuliert sie in Richtung des Flusses. In der Ferne steht tatsächlich ein junger Mann auf der Brücke. Ganz in schwarz gekleidet, blickt er starr in unsere Richtung. Wortlos setzt er sich in Bewegung, als wir näher kommen. Ebenso wortlos und verständig wie in einem Agententhriller werden wir quer durch das Dorf „abgeführt“ und beziehen zwei großzügige, wenn auch einfache Zimmer in dem Posto Tappa.

Beim Abendessen werden Marios, Martins und Sebastians Nerven erneut auf die Probe gestellt. Es geht ein wenig chaotisch zu, aber vor allem entschleunigt. So warten wir eine ganze Weile auf unsere Getränke. Unruhig trommelt Mario mit den Fingern auf den Tisch. Jedes Mal vergeht eine kleine Ewigkeit, bis der nächste Gang vor uns steht – eine kleine Ewigkeit zumindest nach deutschen Maßstäben. Erst sind die Blicke genervt, dann sauer. Mehrfach entschuldigt sich einer der Kellner. „Non c’è problema,“ gebe ich lächelnd beschwichtigend zurück. Mir gelingt es inzwischen besser, mich dem Takt meiner Umgebung anzupassen. Langsamkeit ist hier kein Mangel an Effizienz. Sie ist eine Entscheidung.

Verona, 17. September 1786 – Der Mensch, der hier lebendig lebt, kann nicht irr werden, weil jeder Genuß seines Daseins sich nicht auf die Stunde, sondern auf die Tageszeit bezieht.

Zwänge man dem Volke einen deutschen Zeiger auf, so würde man es verwirrt machen, denn der seinige ist innigst mit seiner Natur verwebt.

J.W. von Goethe

Der Geschmack von süß eingelegten Esskastanien, zartschmelzendem Speck und frisch zubereiteten Ravioli entschädigt die lange Wartezeit. Mit jedem weiteren köstlichen Gang beruhigen sich auch die Gemüter.

Kompromisslos

Noch liegt Noasca im Schatten des Tales, als wir am nächsten Morgen den Alimentari nach einem kurzen Einkaufsbummel verlassen. Doch schon nach wenigen Metern treten wir in die aufsteigende Sonne und spüren die Hitze auf unserer Haut. Durch dichten Wald erreichen wir einen Höhenweg und wandeln durch Geisterdörfer entlang der Höhenlinie von 1.600 Metern. Wieder legen wir an einem kleinen Bachlauf einen Badestopp ein, kühlen die Köpfe etwas herunter, bevor es noch einmal bergauf bis zum höchsten Punkt der heutigen Etappe geht. Die Stimmung ist gelöst, wir scherzen, verlieren uns in Gesprächen, sammeln Brombeeren von Sträuchern am Wegesrand. Auf einem mächtigen Felsblock im Schatten eines Baumes machen wir eine weitere Rast.

„Du Julia,“ setzt Martin an. „Sag mal, was ist eigentlich besser: gemeinsam wandern oder allein?“ Ich schlucke. Mit dieser Frage habe ich nicht gerechnet. Gleichwohl muss ich nicht lang überlegen. „Nicht persönlich, aber ich will ehrlich sein,“ beginne ich. „allein ist mir lieber.“ – „Ist doch völlig ok,“ meint Martin. Immerhin könne man so das eigene Tempo gehen. Er weiß wovon er spricht. Beim Wandern ist Martin ein Intervallsprinter. Auf schnelle Passagen folgt Erschöpfung, eine lange Wartepause bis der Rest der Gruppe aufholt und schließlich der nächste Sprint.

Ja. Allein zu wandern heißt, unabhängig zu sein. Kompromisslos. Tempo, Strecke, Pausen, Umwege – ich verhandle nur mit mir selbst. Vielleicht ist es auch gerade diese Kompromisslosigkeit, die einen über eine so lange Distanz trägt.

Unverhandelbar ist für mich inzwischen auch das Ende dieser Reise. Nizza, das spüre ich, wäre kein guter Ort für das letzte Bild in meinem Kopf. Zu laut, zu voll haben sich die Tage an den touristischen Ufern der oberitalienischen Seen eingebrannt. Das Meer wird das Ende der Wanderung sein, aber nicht ihr Ziel. Das Ziel war immer der Weg. Waren immer die Berge.

Noch einmal möchte ich dorthin zurück, wo die Gletscher zum Greifen nah sind, die Bäche sprudeln und ich mich in der Weite von Gipfeln frei und aufgehoben fühlen darf. Fast falsch fühlt sich hingegen der Gedanke an, in wenigen Stunden zu überfliegen, was ich in dreieinhalb Monaten erlaufen habe.

Es ist beschlossen: Ich werde mit dem Zug fahren. Noch einmal Halt machen, bevor ich in die andere Welt zurückkehre. Allein. Schritt für Schritt.

Calore

Langsam nähern wir uns dem Stausee von Ceresole Reale. Magisch zieht uns sein blaues Wasser an, während wir in der Hitze zerlaufen.

Calor. Wärme. Kalorie. Die Wärmemenge, die nötig ist, um ein Gramm Wasser um ein Grad Celsius zu erwärmen. Die heutige Hitze bringt das Wasser in unseren Körpern jedenfalls beinahe zum Kochen. Nach sieben Stunden Fußmarsch in praller Sonne sind nicht nur unsere Gedanken dahingeschmolzen, sondern auch unsere Kalorienreserven. Überglücklich erreichen wir am späten Nachmittag endlich das Rifugio Fonti Minerali. Während Martin sich in seiner Arbeit hinter dem Laptop vergräbt, tauchen Mario, Sebastian und ich in das kühle Nass des Stausees.

Noch einmal sitzen wir an diesem Abend alle beisammen. Auch Christine und Stephan gesellen sich zu uns. Wir unterhalten uns über den Job, die Olsenbande-Filme, Fernreisen, die GTA. Mario ist ganz begeistert von der Einsamkeit der Berge hier. „Im Gegensatz zu Österreich oder Südtirol ist hier wirklich kaum jemand unterwegs.“ Derweil wird beste hausgemachte Pasta serviert. Nur Sebastian kann das gute Essen und die Gespräche nicht genießen. Übelkeit und Kopfschmerz quälen ihn seit dem Nachmittag. Früh verabschiedet er sich ins Bett. Zu wenig Wasser. Zu viel Sonne. Der Tag war schlicht zu heiß.

Zurück allein

Auch am nächsten Morgen hängt Sebastian noch immer in den Seilen. Mit etwas Zwieback und Tee knie ich noch einen Moment neben seinem Bett. „Lass dich von Mario und Martin zum Arzt fahren, wenn es gar nicht geht,“ appelliere ich und drücke ihm einen Kuss auf die Stirn. „Pass auf dich auf,“ gibt er zurück. Die Worte sind verhalten, beinahe still. Dann lösen sich unsere Blicke.

Ich breche auf, verabschiede mich von Christine und Stephan. Die beiden werden noch einen Pausentag in Ceresole Reale einlegen. Fest umarme ich auch Mario und Martin. Das nächste Mal werden wir uns zu Hause wiedersehen. Zunächst liegen aber noch knapp 500 Kilometer vor mir. Immer kleiner wird die Hütte in meinem Rücken. Aus Zusammen wird wieder Allein. Aus wir wird wieder ich.

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